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Die unangenehmen Folgen guter Wäschepläne...

Autor: Malte | Datum: 27 März 2014, 17:08 | 92 Kommentare

...und die grauenhaften Folgen schlechter: 

Dies ist ein weiterer Blogeintrag der Reihe "mein Alltag in Gunungsitoli". Diese Reihe existiert noch gar nicht, aber weil ich im Ganzen doch den Großteil meiner Zeit hier mit Alltag verbringe, finde ich, dass es mal Zeit ist, diese Reihe zu eröffnen.  

Zum Beispiel Wäsche:

Meine naive Traumvorstellung war einmal die, dass ich mir einen Wäscheplan mache, auf dem am besten für jedes T-Shirt, jedes Hemd und jede Socke draufsteht, wann ich sie in einem Intervall von, sagen wir mal zwei Wochen, an welchem Tag und zusammen mit welchen anderen Sachen in welcher Reihenfolge wasche. Das hätte den Vorteil, dass ich mir tatsächlich gar keine Gedanken mehr über meine Wäsche machen müsste - es stünde ja alles im Plan! Natürlich beinhaltet der Plan die Axiome, dass ich immer voll motiviert bin, Wäsche zu Machen, morgens früh genug aufstehe, um vor der Arbeit und der Mittagshitze zu Waschen, oder mittags den Nerv habe, in gemütlicher Äquator-Sonne Wäsche zu machen, oder Abends noch wach genug bin, um vor dem Schlafengehen "kurz ein paar Sachen durchzuwaschen". 

Ihr könnt Euch vorstellen, dass es dazu nie kommen wird.

Stattdessen lebe ich in einem dynamischen Kontinuum sich stetig wandelnder Waschambitionen*, die sich im Ganzen in die folgenden Kategorien gliedern lassen:

1. "große Wäsche": Dieses Modell sieht vor, dass ich mir einen freien halben Tag suche, und falls ich einen finde, wird er zum Wäschetag. Ich wasche also alle meine Wäsche, oder mindestens die für die ganze kommende Woche, in einem riesigen Mammut-Anlauf durch, unter einem irren Aufwand an Zeit, Kraft, Wasser, Waschmittel und Nerven. Handwäsche, versteht sich. Das hat zwar den Vorteil, dass ich danach tatsächlich ein paar Tage frei habe, was Wäsche angeht. Aber schon die Perspektive, dass ich all diese Arbeit nur mache, um sie nächste Woche wieder zu machen, lässt mich manchmal über der Waschschüssel verzweifeln. Manchmal versuche ich, mich danach "selbst zu belohnen" (liest man ja immer wieder, wie wichtig das ist...), indem ich mir z.B. nach getaner Arbeit einen Kaffe mache und ihn in aller Ruhe vor dem Haus trinke. In Betrachtung einer vollen Wäscheleine unter Palmen ist das schon kein ganz schlechtes Gefühl, aber auch das wiegt nicht ganz die Energie auf, die man braucht, um das Zeug vorher sauberzuwaschen. Ich habe das bis jetzt vielleicht vier oder fünf mal insgesamt hinbekommen. 

2. "kleine letzter-Ausweg-Wäsche": Das genaue Gegenteil. Ich lagere meine Kleider in meinem Wäschesack und überlege mir abends, was ich denn übermorgen anziehen muss, und das wasche ich dann. Tatsächlich: Übermorgen, nicht morgen, denn einen Tag braucht die Wäsche ja zum Trocknen. Der Vorteil ist der, dass ich nur sehr wenig Zeit und Kraft auf einemal investieren muss, und dass ich zusätzlich die Vorstellung, übermorgen gar keine frische Wäsche mehr zu haben, als Motivator habe, und das hat bis jetzt immer geholfen. Der Nachteil ist der, dass ich tatsächlich jeden noch so schönen Abend mit Wäsche-Waschen beschließen muss, was beileibe nichts erstrebenswertes ist, und dass dadurch dieses leidige Thema jeden Tag präsent ist. Ende November hatte ich eine Woche, in der ich das mal durchgezogen (oder durchlebt?) habe, und das brauche ich wirklich nicht wieder...

3. "mittelgroße zwischendrin-Wäsche": Ja, genau, die Mitte, auf die es in irgendeiner Form meistens hinausläuft. Ich gucke jeden zweiten Tag prüfend in meinen Kleiderschrank und wasche alle halbe Woche Klamotten für die nächste halbe Woche. Dann mach ich eine kleine Pause. Dann wasch ich für eine halbe Woche, dann mach ich eine kleine Pause. Dann wasch ich für eine halbe Woche... Oder so ähnlich. Auch hier stellt sich das Motivationsproblem, aber es ist irgendwie ausgewogener. Nur manchmal wünsche ich mir eben die Sicherheit des Modells "große Wäsche", tatsächlich für viele Tage Wäsche im Schrank zu haben, aber man kann nicht alles haben. Wenn ich besonders motiviert bin, wird diese Wäsche eben größer, und wenn nicht, ja, dann wird sie eben kleiner...

Nun aber zum Titel dieses Blogeintrages: Das grauenhafte an schlechter Wäscheplanung liegt ja klar auf der Hand: Man muss irgendwann alle schöne Tagesplanung und jede schöne Freizeitbeschäftigung einfach fallen lassen und Wäsche machen, und sei es nur aus Scham gegenüber Millionen indonesischer Hausfrauen (ja, leider sind es immer noch fast nur die Frauen...), die ihr ganzes Leben lang so Wäsche machen und denen dieser ganze Blogeintrag lächerlich vorkommen muss! [Es kennzeichnet mich definitiv als Kind des reichen Europa, dass ich überhaupt dazu fähig bin, mich so lange über so Alltagskram wie Wäsche aufzuregen!] Das sich Schämen geht dann auch mit dem schlechten Gewissen einher, zu lange keine Wäsche gemacht zu haben, was irgendwie doof ist - ich mag es einfach nicht.

Aber das blöde an guter Wäscheplanung im Sinne hochmotivierter  großer Wäsche ist, dass danach mehrere Tage "keine Wäsche" dran ist. Diese Tage nutze ich meistens, um mich daran zu gewöhnen, keine Wäsche mehr zu machen. Mist! Denn das heißt, dass ich danach wieder bei Adam und Eva anfangen kann, mich fürs Wäschemachen zu motivieren, und das kann ein paar Tage dauern. Kein Problem, ich hab ja gewaschen - aber manchmal würde ich eben gerne die Motivation finden, Wäsche zu machen, ohne sie unbedingt JETZT machen zu müssen. Einfach um ein gewisses Grundvolumen an Wäsche im Schrank immer parat zu haben. Schade, denn das hat in diesem ganzen Jahr bis jetzt fast nie geklappt. 

So wird es noch ein paar Monate dabei bleiben, dass ich mich mehr oder weniger dicht an der Grenze eines leeren Kleiderschranks entlangwasche - aber so ist es auch schon sechs im Ganzen sehr schöne Monate gelaufen, und bis jetzt ist es immer gutgegangen (eigentlich erstaunlich...). Auf jeden Fall werde ich aus diesem Element meines Freiwilligendienstes hier auf Nias viel Dankbarkeit mit nach Deutschland nehmen für eine der unscheinbarsten und doch größten Erfindungen unserer Zeit: Die Waschmaschine! 

 

* [und ja, ich bin ein kleines bisschen stolz darauf, für mein kreatives Alltags-Wäsche-Chaos so einen schönen Namen gefunden zu haben :-)  ]

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