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ein ausgeruhter und "er-füllter" Sonntag - vorsicht, langer Blog! :)

Autor: Malte | Datum: 04 November 2013, 07:44 | 1 Kommentare

Hallo zusammen!

Gestern habe ich endlich mal wieder hinbekommen, am Sonntag gar nichts zu tun! Trotzdem ist eine ganze Menge passiert... 

Erst habe ich ausgeschlafen bis gegen neun oder zehn, danach private E-Mails beantwortet und einfach ein bisschen rumgelegen. Gegen elf bin ich dann aus dem Bett gekommen, habe ausgiebig geduscht und mir ein spätes, großes Frühstück geholt (Reis mit Huhn :D -  war ja Sonntag). Wer bei Duschen an warmes Wasser denkt, den muss ich leider enttäuschen: Erstens gibt es im Badezimmer hier im Haus gar keine Warmwasserleitung, und zweitens: Wofür? Geschirr spülen und Wäsche waschen kann man mit entsprechenden Wasch- und Spülmitteln auch mit kaltem Wasser, und nur Wahnsinnige kommen bei 25 bis 35 °C im Schatten überhaupt auf die Idee, dann auch noch warm duschen zu wollen! Kalt Duschen ist bei dem Wetter viel schöner!

Weil es ziemlich viel geregnet hat und wolkig war, war das Wetter für mich sehr angenehm: Warm, sehr warm, aber eben nicht so knalleheiß, wie sonst manchmal, wenn ich irgendwie schlechte Laune und Kopfweh kriege vor lauter Hitze  (Vielleicht bin ich so ein bisschen der Ork von Gunungsitoli,  der sich immer freut, wenn's "kalt" und bewölkt ist, stürmt und regnet, aber dann "kenne" ich das Wetter irgendwie von zuhause, bzw. mein Körper weiß, wie er damit umgehen muss). Jedenfalls war es also ein Wetter wie an einem schönen Augustsonntag im Schwabenlande, ich hatte keine Aufgaben vor mir, aber ein frisch gewaschenes weißes Hemd an, das sogar bügelfrei ist (Danke Mama, die Idee war Gold wert!!!), es gab Huhn statt Fisch zum Frühstück und ich hatte 20.000 Rupien, um sie für schön auf den Kopf zu hauen, also 1,33€. Dafür kriegt man z.B. zwanzig kleine Pancakes, oder zehn Donuts mit bunten Streuseln, oder zwanzig Donuts mit Puderzucker, zwanzig gebratene Bananen oder vier große (!) Pfannkuchen mit süßer Füllung, oder auch zwei mal "gebratene Nudeln" zum Mitnehmen, Ihr seht, in welchen Kategorien ich dachte. Also ein richtig toller Sonntagmorgen!   

 Als ich mich so gegen zwei auf den Weg mache zur Kirche, habe ich also vor, nach dem Gottesdienst, der so zwei Stunden gehen müsste, in die Stadt zu gehen,mir was feines zu Essen zu holen, ein bisschen die Zeit bis sieben totzuschlagen und dann abends noch in den Jugendgottesdienst zu gehen. Wie ich dann aber mit Bibel bei der Kirche ankomme, erklärt man mir, nein, um zwei sei kein Gottesdienst, erst um sieben. Da muss ich was falsch verstanden haben: An unserem ersten Sonntag hat mir Pfarrerin Gloria, meine Supervisorin, meiner Erinnerung nach erklärt, Gottesdienste seien in der Stadtkirche um 7:00, 9:00, 11:00, 14:00 und dann sei um 19:00 eben der Jugendgottesdienst. Aber wie auch immer, ich bringe die Bibel zurück nach hause und gehe eben gleich in die Stadt. Eigentlich gehe ich ja ohne Bibel in den Gottesdienst, aber wenn ich hier schon nicht die Predigt verstehe, will ich wenigstens wissen, worüber gepredigt wird. In der Stadt, in der mich gefühlt jeder mit "Hello Mister!" anspricht, anschreit oder es mir hinterherruft, was mich wenigstens zu Anfang nicht so sehr stört, finde ich nach einer kurzen Schlaufe durch die Straßen tatsächlich einen Stand, der gebratene Bananen verkauft. Zu 1.000 Rupien das Stück, ich kaufe also fünf. Die Bananen, die dort frittiert werden, sind kürzer, als andere Bananen, und werden vor dem Frittieren fächerartig längs aufgeschnitten. Und zwar so, dass sie am unteren Ende noch zusammen hängen, und dann so frittiert, dass man jeden Spalt einzeln abbeißen kann. Der Verkäufer packt mir also fünf ein (sie sind noch warm...) und bittet für eine Bekannte, die gerade dazugekommen ist, sehr höflich um ein Foto, da sage ich nicht nein.

Die frittierten Bananen sind der absolute Hammer (ich esse zwei gleich auf dem Weg), der Teigmantel ist leicht gesalzen, was einen tollen Kontrast zu den süßen Bananen darstellt, so gute kriegt man nicht überall. Später finde ich sogar noch die Pfannkuchenstände wieder, und kaufe mir also zwei von diesen sehr großen, sehr mächtigen, relativ klebrigen, mit einer süßen Sauce mit Kokoskrümeln gefüllten Pfannkuchen, umd gehe wieder nach hause.  Zuhause beschließe ich, wenn schon kein Gottesdienst ist, kann ich wenigstens ein bisschen private Schriftlesung machen, und es trifft das dritte Buch Mose (relativ zufällig).  Ich fange also an, zu lesen, und esse nebenher die Bananen. Die sind relativ schnell aufgegessen,  und bei den ganzen Opfervorschriften, wo dauernd von lieblichem Geruch die Rede ist, von Lammkeulen, gebackenen Kuchen und Früchten des Feldes, kriege ich ziemlich Hunger auf die Pfannkuchen, die ich eigentlich für abends aufheben wollte. Aber was soll der Geiz, denke ich mir, und esse also den ersten Pfannkuchen "während der Opfergebote". Das war soweit sehr schön. Leider ist der Pfannkuchen schon da zu Ende, wo bei den Geboten zum Speisopfer, also Brot und Kuchen, Aufläufe und so, quasi als Höhepunkt der kulinarischen Strahlkraft des Buches Levitikus, der schöne Satz steht: "Alle deine Opfer sollst du salzen!" (3. Mose 2,13 - man sieht, wie schnell der erste Pfannkuchen weg war) Ich glaube ja, dass dieses Gebot von einem Priester in dritter Generation eingefügt wurde, der es einfach nicht mehr etragen hat, dass das Volk so sehr am Salz gespart hat (schließlich haben die Priester den größten Teil des Speisopfers gegessen). Mit Blick auf den Rest des Verses könnte er auch eine hohe spirituelle Bedeutung haben: Guckt ihn euch mal an, es geht vielleicht irgendwie darum, dass das Opfer des opfernden Israeliten erst durch den Bund Gottes "Geschmack gewinnt" könnte man sagen (aber das muss jeder selber entscheiden, was er in diesem Gebot alles lesen will...). Jedenfalls beschließe ich bald darauf, dass es jetzt auch noch Zeit für den zweiten großen Pfannkuchen ist. Lecker!  

 

 

Leider war mit dem Höhepunkt dann auch das Stück zu Ende. Was folgte, als ich anfing, meinen zweiten Pfannkuchen zu essen, waren die Gebote zum Aussatz, wo also die ganze Zeit von grünlichen Stellen, von fressendem Aussatz und rötlicher Verfärbung, von Grinden mit weißen Härchen oder ähnlichem die Rede ist. Ich war also quasi im medizinischen Teil des Gesetzes angelangt, und gleichzeitig machte sich bemerkbar, dass der aufeinanderfolgende Genuss von fünf frittierten Bananen und zwei Pfannkuchen, die jeweils schon für sich sehr sättigend waren, nicht nur gute Seiten hat. Mir wurde also relativ übel, aber irgendwie hatte ich den Ehrgeiz, das dritte Buch Mose jetzt auch ganz zu lesen, wo ich doch schon bei Kapitel 19 von 27 war. Ich habe das Gefühl, dass meine neue Fähigkeit, ganze Bücher bzw. Briefe der Bibel auf einmal zu lesen, mit der indonesischen Gebetstradition zusammenhängt. In Indonesien orientiert man sich nämlich eher an "er gebot ihnen aber, dass sie ohne Unterlass beten sollten", während man sich in Deutschland eher an "Ihr sollt nicht sein wie die Heiden, die glauben, sie würden erhört, wenn sie viele Worte machen" orientiert. Ich kann die beiden Wege nur so nebeneinander stehen lassen, die deutsche Variante, kurz zu beten, sorgt für mehr Bedeutung für jedes einzelne Wort, während in der indonesischen Variante eben mehr Raum ist für Reflexion der eigenen Situation, für Aufarbeitung beispielsweise des Tagesgeschehens und diese Variante bringt eben deutlich mehr Geduld mit sich - ich erwarte nicht mehr gleich zu Anfang des Gebets das Ende des Gebets, sondern "bin" für einen Moment einfach "in der Sphäre "Gebet"  " drin, und mit nichts anderem beschäftigt, außer mit dem Gebet als Geisteshaltung, die für einen Moment zu meiner Geisteshaltung wird. Nichtsdestotrotz werden mir persönlich indonesische Gebete oft zu lang, dann finde ich sie irgendwann langweilig, auch, weil ich halt nichts verstehe.  

Soviel zu verschiedenen Gebetstraditionen, um sieben war ja Jugendgottesdienst. Ich war auch bis kurz vor sieben mit Levitikus fertig, habe mich ins Hemd geschmissen und bin runter in die Stadtkirche, die liegt etwa fünfhundert Meter von "meinem" Haus entfernt. Auf dem Weg gebe ich meine Tupperdose im Asrama Deborah ab, dem Frauenhaus, aus dem ich mir drei mal täglich mein Essen abhole, um mir nach dem Gottesdienst mein Abendessen mitzunehmen. Im Gottesdienst ist es sehr schön. Da ich erst beim rausgehen einen Bekannten erkenne, bin ich quasi allein da und setze mich neben einen jungen Mann mitte zwanzig. Ich würde mich ja auch neben irgend eine junge Dame setzen, aber das weckt bei ihr eventuell Gedanken, sie wäre für mich mehr als "jemand, der im Gottesdienst dabei ist", und dann müsste ich sie noch enttäuschen...    Wenn man vorher Stunden damit verbracht hat, das dritte Buch Mose zu lesen, in dem manchmal relativ meditativ wiederholt wird, dass es zum lieblichen Geruch für den Herrn sei, dass der Priester den Fettlappen der Leber an den Nieren ablösen solle, und so weiter, wenn man darüber hinaus den ganzen Tag lang wirklich nichts vernünftiges getan hat, und das auch noch "mit göttlicher Legitimation" (denn eigentlich habe ich ein Problem damit, so unproduktiv zu sein - ich muss irgendwie dauernd allen sagen können, warum ich wichtig bin und warum es sich so unglaublich gelohnt hat, dass die VEM und das BMZ zusammen 20.000€ dafür bezahlen, dass ich hier sein darf! Davon loszukommen war mal ganz entspannend...), wenn es den ganzen Tag eigentlich kaum etwas gab, um sich darüber aufzuregen, und wenn man dann auch noch richtig gute Sachen gegessen hat, dann...

...dann ist so ein Gottesdienst mit tollen Liedern und einer athmosphärisch richtig guten Stimmung der schönste Abschluss, den so ein Tag noch haben kann. Ich habe sogar etwas verstanden: Anlässlich des Reformationstages wurde die Geshichte Martin Luthers erzählt: Und da habe ich eben die Städtenamen verstanden (z.B. "Erfuuurt"), und konnte anhand der Jahreszahlen ungefähr mitverfolgen, was gerade passierte (z.B. habe ich im Jahresabschnitt "seribu limaratus tujuhbelas" (1517) die Wörter "Pintu" (Tür) und "Gereja" (Geredscha - Kirche) verstanden, der Rest war noch zu schwer...). Leider lässt meine Lutherbildung in Richtung der Reichstage rapide nach, und so habe ich den letzten Teil kaum noch "verstanden"...  Aber die Lieder waren toll, die Predigt lang, ich habe während der Predigt die Geschichte von der Sturmstillung ganz neu für mich entdeckt (auf deutsch) und irgendwie ging es mir danach echt gut!  Danach war dann das Abendessen (das auch noch...) gemessen an meiner "mastartigen Tagesfuttermenge" ein bisschen zuviel des Guten, auch wenn ich mir nicht so viel Reis genommen habe, wie sonst, aber es war lecker und mit Huhn. Abends habe ich dann noch mit meiner Mutter geskypet und bin irgendwann ziemlich er-füllt von dem Tag und dem Essen ins Bett gegangen. Ich habe noch nicht mal meinen täglichen Videolog aufgenommen, den ich normalerweise immer vom 27. eines Monats bis zum 09. oder so des nächsten Monats aufnehme,  weil ich ja mal gar nichts tun wollte... 

 

Ein Tag an dem ich fast nichts getan habe, an dem ich unglaublich viel erlebt habe und an dem echt viel passiert ist! Sieh an, so was kann's geben!

 

Ich liebe diese Tage!

 

  

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